Der Nachweis von Kristallen ist stark vom pH-Wert und der Temperatur des Urins abhängig und nur selten von diagnostischer Bedeutung. Für den Kliniker am bedeutsamsten sind Zystinkristalle.
Eine Auswahl von Kristallen findet sich im Album. Kristalle kommen entsprechend ihrer Zusammensetzung, der Konzentration und dem pH in unterschiedlichsten Formen daher: Rhomben, Briefcouvertform, Sargdeckel usw. Besonders Harnsäure und Phosphate können auch als amorphe, feine, zusammengelagerte Körnchen in Erscheinung treten (amorph bedeutet in diesem Zusammenhang "ungeformt"). Amorphe Urate, Harnsäure und Calciumoxalate findet man im sauren, Phosphate dagegen im alkalischen Urin. Folgende Kristalle können unterschieden werden:
Sulfonamide und ihre Metabolite sind im Urin sauren Urin schlecht löslich. Sie fallen daher gerne als Kristalle aus, wobei sie je nach Medikament und Metabolite die verschiedensten Formen annehmen können (Nadeln, Garben, Ähren-Büschel). Im Gegensatz zu anderen Kristallen lassen sie sich leicht durch Aceton auflösen. Im Laboralltag findet man am häufigsten Calciumoxalate, Harnsäurekristalle, amorphe Urate und Phosphate und Tripelphosphate. Dazu kommen, zwar selten, aber in grosser Formenvielfalt in Kristallform ausgeschiedene Arzneimittel.
Mikroskopische
Untersuchung des Urins Flowzytometrie Amorphe Kristalle (Phosphate und Urate) werden chemisch gebunden.
Von Bedeutung sind Cystin- und Leuzin-Kristalle, die auf eine schwere Leberschädigung hinweisen. Möglicherweise können aus der im Urin dominierenden Kristallart Rückschlüsse auf die Zusammensetzung vorhandener Konkremente gezogen werden, z.B. der starke Gehalt an Calciumoxalatkristallen im Urin bei calciumoxalathaltigen Nierensteinen. Ein massenhaftes Auftreten von Harnsäure sollte an eine Hyperurikämie bzw. eine Gicht denken lassen.
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21.11.2000 / hpk |