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Urinbefunde: Kristalle  
 
 
Die Fragestellung 

Der Nachweis von Kristallen ist stark vom pH-Wert und der Temperatur des Urins abhängig und nur selten von diagnostischer Bedeutung. 

Für den Kliniker am bedeutsamsten sind  Zystinkristalle.

 
Die Kristalle 

Eine Auswahl von Kristallen findet sich im Album.

Kristalle kommen entsprechend ihrer Zusammensetzung, der Konzentration und dem pH in unterschiedlichsten Formen daher: Rhomben, Briefcouvertform, Sargdeckel usw. Besonders Harnsäure und Phosphate können auch als amorphe, feine, zusammengelagerte Körnchen in Erscheinung treten (amorph bedeutet in diesem Zusammenhang "ungeformt"). 

Amorphe Urate, Harnsäure und Calciumoxalate findet man im sauren, Phosphate dagegen im alkalischen Urin. 

Folgende Kristalle können unterschieden werden:

  • Zystin: sechseckige, farblose Tafeln, die in alkalischem Urin rasch zerstört werden. Sie geben einen Hinweis auf die sehr selten vorkommende Zystinurie, bei der es sich um eine angeborene, tubuläre Rückresorptionsstörung von Zystin handelt.
  • Harnsäure
  • Calciumoxalat
  • Tripelphosphat: 
  • Sulfonamid
  • Cholesterin
  • Tyrosin
  • Leuzin
  • Hämosiderin

Sulfonamide und ihre Metabolite sind im Urin sauren Urin schlecht löslich. Sie fallen daher gerne als Kristalle aus, wobei sie je nach Medikament und Metabolite die verschiedensten Formen annehmen können (Nadeln, Garben, Ähren-Büschel). Im Gegensatz zu anderen Kristallen lassen sie sich leicht durch Aceton auflösen. 

Im Laboralltag findet man am häufigsten Calciumoxalate, Harnsäurekristalle, amorphe Urate und Phosphate und Tripelphosphate. Dazu kommen, zwar selten, aber in grosser Formenvielfalt in Kristallform ausgeschiedene Arzneimittel. 

 
Die Ergebnisse der verschiedenen Methoden 

Mikroskopische Untersuchung des Urins  
Zum Nachweis und zur Identifikation eignet sich ausschliesslich die mikroskopische Untersuchung des Urins. 

Flowzytometrie 
Kristalle werden im Fsc/Fl Streudiagramm angezeigt. Da sie nicht färbbar sind fluoreszieren sie noch weniger stark als Erythrozyten, zeigen aber wegen der unterschiedlichen Grösse eine grosse Variation im Streulicht. 
Ein Ausnahme sind Harnsäurekristalle, die wegen der Autofluoreszenz mit dem Bereich der Erythrozyten überlappen können. 

Amorphe Kristalle (Phosphate und Urate) werden chemisch gebunden. 

Pathologie 

Von Bedeutung sind Cystin- und Leuzin-Kristalle, die auf eine schwere Leberschädigung hinweisen. Möglicherweise können aus der im Urin dominierenden Kristallart Rückschlüsse auf die Zusammensetzung vorhandener Konkremente gezogen werden, z.B. der starke Gehalt an Calciumoxalatkristallen im Urin bei calciumoxalathaltigen Nierensteinen. Ein massenhaftes Auftreten von Harnsäure sollte an eine Hyperurikämie bzw. eine Gicht denken lassen. 

 

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21.11.2000 / hpk