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Die Herstellung eines Urinsediments ermöglicht
die mikroskopische Untersuchung des Urins auf seine geformten
Bestandteile: Zellen, Zylinder, Kristalle, Bakterien und Parasiten.
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Präanalytik:
Bedingungen an den Urin
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Um aussagekräftige und, im Rahmen der
Methode, reproduzierbare Untersuchungen durchführen zu können, muss der
untersuchte Urin gewisse Bedingungen erfüllen:
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Frischer,
konzentrierter Urin |
| 2. |
Zentrifugation:
konstantes Ausgangsvolumen, konstante Zentrifugationsbedingungen |
| 3. |
Definiertes
Restvolumen über dem Sediment |
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Herstellung des
Urinsediments
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Grundsätzlich: ein definierter Teil der
Urinprobe wird zentrifugiert, der Überstand dekantiert oder abgesaugt,
das Sediment aufgerührt und im Mikroskop untersucht.
Standardisiertes Sediment (angepasst an
NCCLS GP 16-A)
- 10 mL Mittelstrahlurin, gut gemischt
- 5 Minuten zentrifugieren bei 400 g
(r=15 cm ; rpm = 1500)
- 9.5 mL des Überstandes verwerfen
- 20 mikroliter in eine
Fuchs-Rosenthal-Zählkammer übertragen und mit Deckglas abdecken
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Untersuchung des
Urinsediments
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Wird das Urinsediment ungefärbt in einem
einfachen Lichtmikroskop untersucht, so besteht die Gefahr, dass Elemente
mit geringer Lichtbrechung wie hyaline Zylinder oder Erythrozytenschatten
übersehen werden.
Es sollte deshalb eine der folgenden
Möglichkeiten für die Untersuchung des Urinsediments gewählt
werden:
- Färbung des Urinsediments
- Untersuchung im polarisierten Licht und
mit dem Phasenkontrast-Mikroskop
Färbung des
Urinsediments
Aus den zahlreichen Färbungen hat sich für die routinemässige Färbung
heute diejenige nach Sternheimer-Malbin durchgesetzt. Die stabile
Farblösung ermöglicht eine sofortige, gute Anfärbung und damit
Differenzierung aller Zellen und Zylinder. Sie verursacht keine Störungen
bei der Polarisation und erlaubt die Nachfärbung mit lipidophilen
Farbstoffen.
Eine wichtige Spezialfärbung dient dem
Nachweis von Lipiden mittels Sudan III.
Die Untersuchung
im polarisierten Licht
bei diesem Verfahren wird polarisiertes Licht (Lichtwellen haben alle die
gleiche Schwingungsrichtung) verwendet. Erzeugt wird dieses
"geordnete" Licht durch sogenannte Polfilter, die aus dem
Durcheinander von Schwingungsrichtungen im natürlichen Licht eine
Vorzugsebene herausfiltern.
Werden zwei Filter hintereinander, aber um
90° gegeneinander verdreht in einen Lichtstrahl gehalten, so kann kein
Licht passieren, weil das erste Filter (Polarisator genannt) die
Schwingungsrichtung so sortiert, dass sie das zweite Filter (Analysator
genannt) nicht durchlassen kann.
Im Mikroskop befindet sich der Polarisator
am Kondensor, so dass das Objekt mit polarisiertem Licht beleuchtet wird.
Der Analysator befindet sich hinter dem Objektiv und ist um 90° verdreht.
Liegt kein Präparat bzw. nur ein leerer, sauberer Objektträger auf dem
Mikroskoptisch, so bleibt das Bild völlig dunkel. Doppelbrechende
Materialien drehen die Schwingungsrichtung des polarisierten Lichts.
Beobachtet man solche Stoffe im Polarisationsmikroskop, so leuchten sie
auf, weil das "gedrehte" Licht vom Analysator teilweise
durchgelassen wird.

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Veresterte Cholesterine besitzen eine kristalline Struktur. Bei der
Untersuchung im polarisierten Licht kommt es infolge der sogenannten
Doppelbrechung bei Lipidtropfen, die Ester-Cholesterin enthalten, zum
Aufleuchten eines hellen Malteserkreuzes auf schwarzem Hintergrund.
Da sich die meisten anorganischen Kristalle
ebenfalls doppelbrechend (anisotrop) verhalten, sind nur typische
Malteserkreuze als beweisend für das Vorliegen von Lipiden, welche aus
der Niere stammen, zu betrachten.
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Achtung: Stärkekörner können ebenfalls
ein typisches Malteserkreuz ergeben, sie sind aber bereits in
gewöhnlichem Licht gut von Lipidtropfen zu unterscheiden.
Die Untersuchung
im Phasenkontrast-Mikroskop
Die Untersuchung im Phasenkontrast-Mikroskop eignet sich wegen der
Hell-Dunkel-Kontrastierung vor allem zur Darstellung von ungefärbtem
Sedimentbestandteilen wie Zellen, Zylinder, Bakterien usw. Der Hintergrund erscheint
dabei etwas abgedunkelt, die
Sedimentbestandteile sind dagegen ausgeleuchtet.
Technisch genutzt wird der Unterschied im Brechungsindex
zwischen den einzelnen Bestandteilen, z.B. zwischen Zytoplasma und
Zellkern. Je höher der Brechungsindex eines Mediums ist, desto mehr nimmt
die Lichtgeschwindigkeit in diesem Medium ab. Die Folge ist beispielsweise
dass eine Lichtwelle, die einen Zellkern passiert hat mit Verspätung
Lichtwellen hinterhereilt, die "nur" das Wasser des Zytoplasmas
durchqueren musste. Diese Phasenverschiebungen kann das Auge nicht
wahrnehmen. Bei der Phasenkontrastmethode werden sie jedoch in Grauwerte
"übersetzt". Für die Phasenkontrast-Mikroskopie werden daher
spezielle Objektive benötigt.
Diese
Technik eignet sich besonders zum Auffinden von Zylindern und zur
Abtrennung dysmorpher von isomorphen Erythrozyten. Eine Besonderheit ist
das Auftreten von Lichthöfen (Halos), die an Strukturgrenzen auftreten.
Die Methode verlangt daher dünne Objekte.
Die Untersuchung
mit Differential-Interferenzkontrast
Die Untersuchung mit Differential-Interferenzkontrast (DIC) liefert
reliefartige, pseudodreidimensionale Bilder. Die Zusatzausstattung eines
Mikroskops ist sehr teuer, so dass diese Technik nur selten verwendet
wird.
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Bestandteile des
Urinsediments: Übersicht
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| Zellen |
Zylinder |
- Erythrozyten
- Leukozyten
- Epithelien
- Tumorzellen
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- Hyaline Zylinder
- Granulierte Zylinder
- Erythrozyten-Zylinder
- Leukozytenzylinder
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| Kristalle |
Bakterien
Parasiten |
Beurteilung des Urinsediments
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Es ist immer zu bedenken, dass
- nur betroffene Nephronen und
- nur funktionierenden Nephronen
zum Sedimentbefund beitragen. Bezogen
beispielsweise auf Zylinder heisst das: falls nur wenige Zylinder im
Urinsediment gefunden werden, so kann es sich handeln um
a) eine schwach ausgeprägte Störung
oder
b) um eine starke Störung mit nur noch wenigen funktionierenden
Nephronen.
Bei der Beurteilung sind daher immer auch
andere Befunde einzubeziehen, z.B. Creatinin oder Cystatin C.
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