| Bei der Gewinnung des Urins gilt es zu unterscheiden zwischen
Häufigste und einfachste Form der Urinsammlung. Der Urin wird zu einem beliebigen Zeitpunkt entnommen. Spontanurin ist daher häufig bei Notfalluntersuchungen. Morgenurin Der erste Morgenurin ist in der Regel sauer und konzentriert. Er eignet sich daher besonders zum Nachweis von Bakterien und Nitrit sowie einer Proteinurie, sofern man nicht 24-Stunden Urin sammeln kann. Es ist allerdings zu bedenken, dass Zellen und Zylinder über Nacht bereits aufgelöst werden können (Leukozyten und Erythrozyten sind dann nur noch chemisch nachweisbar). Vorallem bei bakteriellem Befall des Urins kann auch Glucose abgebaut werden, so dass falsch tiefe U-Glucosewerte gemessen werden. Auch ein stark saures Urin-pH hat nicht nur Vorteile: so ist bekannt, dass Amylase im sauren Urin nicht stabil ist, insbesondere bei einem pH unter 5 wird sie schnell inaktiviert. Für den zweiten Morgenurin wird die Harnblase am Morgen zuerst entleert und nach einem bestimmten Zeitintervall eine zweite Urinprobe genommen (second void). Dieser Urin wird vor allem zur Bestimmung der Glucoseausscheidung empfohlen. Der Sammelurin d-Urin = 24-Stunden Urin. Am häufigsten ist sicher der während 24 Stunden gesammelte Urin (=d-Urin). Der Vorteil ist, dass damit die tageszeitlichen Schwankungen der Ausscheidung ausgeglichen werden. Die Sammlung des Urins über 24 Stunden gilt zu recht als mühsam und daher als unzuverlässig. Die Vollständigkeit der Urinsammlung hängt entscheidend von der Mitarbeit und damit der Instruktion des Patienten ab. Die Urinsammlung wird manchmal durch eine gleichzeitige Defäkation vereitelt; beträgt die Sammelperiode bis zu diesem Ereignis allerdings bereits 18 oder mehr Stunden, so ist es zulässig die Untersuchungen im bereits vorliegenden Spezimen durchzuführen und die Ergebnisse entsprechend auf 24 Stunden umzurechnen. Ein weiteres Problem ist die geforderte Genauigkeit bei der Messung des Urinvolumens: sie ist auf 1% des Gesamtvolumens auszuführen, was einer Messungenauigkeit von 10 mL entspricht. Empfohlen wird folgendes Vorgehen: der Patient erhält ein 2 Liter fassendes Sammelgefäss (bei Bedarf mit entsprechendem Konservierungsmittel). Am Morgen des ersten Tages leert der Patient die Harnblase zu einem bestimmten Zeitpunkt. Dieser Urin gehört nicht zur Urinsammlung und wird daher verworfen. Von nun an sammelt der Patient allen Urin. Genau 24 Stunden nach Sammelbeginn wird die Blase noch einmal geleert; diese Urinportion gehört selbstverständlich zur Sammlung. Es ist darauf zu achten, dass der Patient während der Sammelzeit mindestens 2 Liter Flüssigkeit zu sich nimmt. Kontrolle der Vollständigkeit des gesammelten Urins: das Volumen sollte bei einem Nierengesunden grösser als 900 mL sein und der Creatinkoeffizient sollte bei einem Mann grösser als 80 µmol/kg Körpergewicht und bei einer Frau grösser als 62 µmol/kg Körpergewicht sein (Qualitätskontrolle).
Von der Technik her ist Mittelstrahlurin (clean catch) unbedingt zu empfehlen: Reinigung des äusseren Genitale, erste Urinportion verwerfen (d.h. ca. 20-30 mL), zweite Portion in einem sterilen Röhrchen sammeln, ohne dabei den Urinstrahl zu unterbrechen. Im Hinblick auf mikrobiologische Untersuchungen sollen dabei keine Desinfektionsmittel verwendet werden. Bei Vorliegen einer Menstruationsblutung ist, falls möglich, ein Tampon einzulegen und die Periurethralgegend gut zu waschen. Achtung:
Blasenkatheterurin Wurde ein Dauerkatheter eingelegt, so kann dieser an einer zuvor mit 2-Propanol gereinigten Stelle punktiert und mittels einer Spritze Urin entnommen werden. Achtung:
Blasenpunktion Urin, der durch eine Blasenpunktion gewonnen wurde, ist wegen der sterilen Entnahmebedingungen vor allem geeignet zum Nachweis einer Bakteriurie. Hingegen ist zu bedenken, dass bei grosser Verdünnung des Urins bei quantitativen Bestimmungen entsprechend tiefe Konzentrationen gemessen werden. Achtung:
Zystoskopie (Harnblasenspiegelung) Ureterurin Die 2-Gläser-Probe
Die Aussagekraft der Untersuchungen hängt gerade beim Urin sehr stark von einer korrekten Sammlung und einem zeitgerechten Transport in das Labor ab. Es empfiehlt sich insbesondere auch bei einem 24-Stunden zu überprüfen, ob die Sammlung korrekt, d.h. vor allem vollständig, durchgeführt wurde. Ohne jemandem eine schlechte Absicht zu unterstellen, muss wieder einmal erinnert werden, dass die fehlerfreie Sammlung eines Urins über 24 Stunden sehr schwierig und anspruchsvoll ist. Eine ganz andere Situation liegt beim Nachweis eines Drogenabusus vor. Die Einnahme von Drogen wird vorzugsweise durch Untersuchung des Urins nachgewiesen. Da Drogenkonsumenten oft versuchen Urinproben zu verfälschen, muss das Spezimen vom Labor überprüft werden, um falsch negative Befunde zu vermeiden. Methoden zur Verfälschung einer Urinprobe
Überprüfung
der Urinprobe
Besteht der Verdacht, dass ein drogenfreier Fremdurin mitgebracht und anstelle der eigenen Probe abgegeben wird, so empfiehlt sich folgendes Vorgehen:
Überprüfung der 24-Stunden Urinsammlung auf Vollständigkeit
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21.11.2000 / hpk |