|
Der Patient soll, wie bei anderen Blutentnahmen auch, gründlich orientiert werden. Ängstliche Patienten neigen zur Hyperventilation, was die Werte der Blutgasanalyse wegen der Abatmung von CO2 drastisch beeinflussen kann.
Zur arteriellen Blutentnahme wird die Punktion der Speichenarterie (A. radialis) empfohlen. Die Oberschenkelarterie ist zwar grösser und damit leichter abzutasten, kann aber bei der Blutstillung Schwierigkeiten machen. Geeignet ist auch arterialisiertes Kapillarblut, das dem Ohrläppchen oder bei Neugeborenen bis zu einem Alter von 2-3 Monaten der Ferse entnommen werden kann.
Um eine Gerinnung des Blutes zu vermeiden, muss ein Antikoagulans verwendet werden. Empfohlen werden heute Spritzen, die Na- oder Li-Heparinat in lyophilisierter oder in kristalliner Form enthalten. Die Benutzung von flüssigem Heparin kann zu Verdünnungsfehlern führen und ist daher zu vermeiden. Heparin ist allerdings chemisch schlecht definiert. Es ist eine Mischung aus verschiedenen Makromolekülen, die an verschiedene Ionen gebunden sind. Heparin wird daher nicht durch das Gewicht, sondern durch seine antikoagulatorische Wirkung beurteilt und in I.E. (internationale Einheiten) oder USP-Einheiten angegeben. Natrium-Heparin enthält 11% Natrium, so dass Natrium der Probe hinzugefügt wird. Auch Lithium-Heparin enthält kleine Mengen an Natrium und Kalium. Andererseits bindet Heparin Kationen (Ca2+ > Mg2+ > K+ > Na+). Die beiden Effekte, die Addition und die Bindung von Ionen, sind bei qualitativ guten Spritzen vernachlässigbar.
Die Probe darf nicht zu schnell angesaugt werden, da sonst ein zu starkes Vakuum entsteht, das zu einer Entgasung des Blutes und damit zu falsch tiefen Blutgaswerten führt. Sehr kritisch sind Luftblasen. Jede Luftblase in der Probe muss sofort, d.h. noch vor dem Mischen, durch Ausspritzen entfernt werden. Da die Konzentration in der Luft von CO2 geringer und von O2 höher ist als im arteriellen Blut, führt der Kontakt mit einer Luftblase zu einer Erniedrigung des pCO2 und zu einer Erhöhung des pO2 im Analysenmaterial. Man kann davon ausgehen, dass eine Luftblase von nur 0,01 ml in einer Blutprobe von 1 ml zu einer Erhöhung des pO2 von fast 15% führt. Beispiel: Ein pO2 von 15 kPa kann bedingt durch eine Luftblase dieser Grösse auf fast 17 kPa ansteigen. Zu beachten ist, dass niedrige Aufbewahrungstemperaturen den Übertritt von O2 aus der Luftblase in die Probe verstärken, da die Löslichkeit von Gasen mit abnehmender Temperatur zunimmt. Der Austausch von Gasen wird auch durch heftige Bewegung der Probe verstärkt (Rohrpost).
Proben für Blutgasanalysen sind umgehend, d.h. innerhalb von 10 Minuten bei Raumtemperatur zu analysieren. Der Stoffwechsel der Blutzellen verbraucht Sauerstoff und produziert Kohlendioxid. Dadurch sinkt nicht nur der pO2, sondern mit steigendem pCO2 nimmt auch das pH ab. Die Aufbewahrung in Eiswasser oder im Kühlschrank bei 4°C verlangsamt den Stoffwechsel der Zellen um mindestens das Zehnfache, erhöht aber die Löslichkeit der Blutgase, was bei der unvermeidbaren Gasdurchlässigkeit von Kunststoffspritzen eine Rolle spielt (Glasspritzen sind gasundurchlässig). Zu vermeiden ist eine Kühlung unter 0°C, z.B. durch direkten Kontakt mit Eis, da es dadurch zu einer Hämolyse kommen kann.
Vor der Analyse ist die Probe noch einmal gut zu mischen. Die ersten Blut-Tropfen werden verworfen, z.B. durch Ausspritzen in einen Tupfer. Anschliessend wird die Probe langsam und gleichmässig in den Blutgasanalysator eingespritzt.
|
||||||||||||
|
20.01.2001 / hpk |