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Geschichte der klinischen Chemie 
 
 
Seit jeher versuchten einzelne Ärzte aus dem Blut (Aderlass) und vor allem dem Urin, Erkenntnisse über möglicherweise vorliegende Krankheiten zu gewinnen. Bekannt ist, dass Hippokrates (ca. 460-370 v.Chr.) das Aussehen und den Geruch des Stuhls untersuchte.
Prognostische Bedeutung wurde dem Blutkuchen auch von der Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1179) in ihrem Buch “Ursachen und Behandlung von Krankheiten” zugeschrieben.
Im Mittelalter kam es zu einer starken Ausbreitung der Harnschau (Uroskopie). Im Glauben, mit der Harnschau auch in Abwesenheit des Patienten Diagnosen stellen zu können, wurden zum Teil bizarre Theorien entwickelt: so schloss man aus der Lage von Urintrübungen im Harnkolben auf die Lokalisation des krankhaften Geschehens im Organismus.

Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, wurde 1493 in Einsiedeln geboren. Er gilt als Begründer der medizinischen Chemie, da er als erster die chemischen Grundlagen des Lebens erkannt hat.

Antoni van Leeuwenhook (1632-1723) hat entscheidend zur Entwicklung des Mikroskops beigetragen.

Die schnelle Entwicklung der organischen Chemie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts führte nicht nur zur Entdeckung immer neuer Verbindungen im gesunden und kranken Organismus, sondern auch zur Überzeugung, dass die physiko-chemischen Gesetze ebenso in der belebten Natur anwendbar sind. 1828 gelang Wöhler die Synthese des Harnstoffes und um 1840 entstanden die ersten Laboratorien für chemische Diagnostik. Es entstand das Konzept der “chemischen Zeichen”: Nachweis der Ausscheidung von Eiweiss und Glucose im Urin (Proteinurie und Glukosurie), Bestimmung von Harnstoff, Glucose und Gallenpigmenten im Blut.

Aus dem Bedürfnis die Mechanismen des Stoffwechsels zu verstehen, entwickelte sich aus der Zoochemie (“Thierchemie”) die physiologische Chemie. Die noch etwas später entstandene Biochemie versucht den normalen, gesunden Stoffwechsel zu erfassen, während die klinische Chemie sich auf die abnormen Stoffwechselvorgänge konzentriert.

1927 wurde die erste schweizerische Schule für medizinische Laborantinnen gegründet (Julius von Ries, Engeriedspital Bern).

Obwohl der optische Test bereits 1935 von Warburg beschrieben wurde, kam es erst in den 50-er Jahren zu einer starken Entwicklung der klinischen Enzymologie. 

Stark an Bedeutung gewonnen hat in den letzten Jahren die Immunoassays, die dank der Verwendung von Antikörpern Bestimmungen im pmol/L Bereich erlaubt. Immunoassays ermöglichen dadurch beispielsweise die Messung von Hormonen, Tumormarkern, Drogen, Medikamenten usw.

Im Zentrum der Entwicklung steht heute die Genomik, die sich mit der Untersuchung der Erbsubstanz beschäftigt. Ausser einem besseren Verständnis vererbter Erkrankungen verspricht man sich in der klinischen Chemie u.a. eine Früherfassung von bösartigen Tumoren (Tumormarker). 

Bereits begonnen hat auch die Proteomik, die sich mit dem Produkt der Gene, nämlich den Proteinen beschäftigt. Zur Identifizierung von Proteinen eignet sich vor allem die Massenspektrometrie.

 


04.11.2001 / hpk