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Testinterpretation: prädiktiver Wert 
 
 
Sensitivität und Spezifität geben Auskunft über den Anteil an positiven und negativen Resultaten bei Kranken und Gesunden und damit über die Leistungsfähigkeit eines Tests bezüglich einer definierten Krankheit. Sie sind deshalb wichtige Grössen, wenn es darum geht. einen Test auszusuchen (Testwahl). 

Die beiden Begriffe helfen aber nicht bei der Beurteilung einzelner Werte, d.h. wenn es im Einzelfall darum geht, die Bedeutung eines vom Labor gelieferten Resultats in Bezug auf einen bestimmten Patienten bzw. dessen Erkrankung einzuordnen. Bei der Testinterpretation muss der Arzt entscheiden, ob im vorliegenden Fall das pathologische Resultat tatsächlich für das Vorliegen einer Erkrankung spricht oder ob das normale Resultat die vermutete Erkrankung ausschliesst. 

Es gibt noch einen wesentlichen Unterschied: im Gegensatz zur diagnostischen Sensitivität und Spezifität (und damit auch zur ROC) spielt bei hier die Prävalenz eine immer wieder unterschätzte Rolle! 

 
Prävalenz  

Definition: Unter der Prävalenz einer bestimmtem Erkrankung versteht man den Prozentsatz der Bevölkerung, der an dieser bestimmten Krankheit leidet:

Zahl der Kranken = P(D)

Anmerkung: unter Inzidenz versteht man die Anzahl Personen, die innerhalb eines Jahres neu an dem betreffenden Leiden erkranken.

 
Prädiktiver Wert  

Zur klinischen Beurteilung eines vorliegenden Resultats kann der prädiktive Wert eingesetzt werden. Man unterscheidet zwischen dem positiven prädiktiven Wert (PVpos) und dem negativen prädiktiven Wert (PVneg):

PVpos = prädiktiver Wert eines positiven (pathologischen) Resultats
 

    wahre positive     TP  
PVpos  -------------------------------------- ·100 = -------------- ·100
    Gesamtzahl der positiven     TP + FP  

PVneg = prädiktiver Wert eine negativen Resultats

 

    wahre negative     TN  
PVneg  -------------------------------------- ·100 = -------------- ·100
    Gesamtzahl der negativen     TN + FN  

Der PVpos gibt die Wahrscheinlichkeit an, mit der bei Vorliegen eines positiven Tests eine bestimmte Erkrankung tatsächlich vorliegt. 
Dementsprechend sagt der PVneg etwas aus über die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem negativen, d.h. normalen, Testresultat die betreffende Krankheit nicht vorliegt. Der prädiktive Wert ist von der Prävalenz abhängig.

 
Effizienz  

Die Effizienz eines Tests gibt den Prozentsatz der untersuchten Population an, der korrekt klassiert wurde und ist damit ein Mass für die Leistungsfähigkeit eines Tests. Im Gegensatz zu Sensitivität und Spezifität ist die Effizienz von der Prävalenz abhängig.

 

    TP + TN
Effizienz  --------------------------------------
    TP + FP + TN + FN

Die Effizienz ist daher eine Funktion von Sensitivität, Spezifität und Prävalenz, wobei folgende Gesetzmässigkeiten bestehen:

  • Die Effizienz eines Tests liegt immer zwischen der Spezifität und der Sensitivität.
     
  • Bei einer Prävalenz unter 50% hängt die Effizienz stärker von der Spezifität als von der Sensitivität ab, liegt die Prävalenz dagegen über 50% so ist die Sensitivität vorherrschend.
     
  • Bei zunehmender Prävalenz nimmt die Effizienz eines Tests nur zu, falls die Sensitivität grösser ist als die Spezifität, andernfalls nimmt die Effizienz ab.

  


12.12.2001 / hpk