|
Da wir nicht in einer perfekten Welt leben, gilt:
|
Grundsätzlich sind alle Messungen im medizinisch-analytischen Labor mit einem mehr oder weniger grossen Messfehler behaftet. |
Dies hat zur Folge,
- dass bei wiederholter Messung der gleichen Probe, die einzelnen, gemessenen Werte nicht identisch sind, sondern eine gewisse
Streuung aufweisen, und
- dass bei Einzelmessungen die Resultate „nie ganz korrekt sind“,
sondern eine gewisse Abweichung vom Sollwert (dem "wahren" Wert)
aufweisen.
Wie kommen Messfehler zustande? Man muss unterscheiden zwischen:
- zufälligen,
- systematischen und
- sog. groben Fehlern.
Zufällige Fehler
Zufällige Abweichungen zwischen den einzelnen Messwerten resultieren aus der Summe aller
minimen Fehler oder besser Abweichungen, die während einer Analyse auftreten, wie z.B. kleine Temperaturschwankungen, kleine Ungenauigkeiten beim Pipettieren, Sauberkeit der Küvette, Instabilität optischer Messvorrichtungen usw.
Zufällige Fehler sind daher unvermeidlich.
 |
|
 |
| A:
gute Präzision. Die gleiche Probe wurde 10 mal mit der Methode A
gemessen und die einzelnen Werte aufgetragen. |
|
B:
weniger gute Präzision. Die gleiche Probe wurde 10 mal mit der
Methode B gemessen und die einzelnen Werte aufgetragen. |
Wie die beiden Abbildungen zeigen, kann
mit der Methode A wesentlich präziser gemessen werden als mit der
Methode B.
Als zufällig werden diese Fehler bezeichnet, weil die Messwerte verglichen mit dem „wahren Wert“
(Sollwert) einmal etwas zu hoch, dann wieder etwas zu niedrig ausfallen. Das Mass für diese zufälligen Fehler ist die Präzision (oder genauer, aber selten benutzt, die Unpräzision).
Systematische Fehler
Grundsätzliche Abweichungen vom wahren Wert, d.h. entweder immer zu hohe oder zu tiefe Werte, werden dagegen als systematische Fehler
oder Bias bezeichnet. Als Mass für den systematischen Fehler gilt die Richtigkeit (bzw. Unrichtigkeit).
 |
|
 |
| A:
Die gemessenen Werte streuen um den Sollwert. |
|
B:
Die gemessenen Werte weichen systematisch vom Sollwert ab (in
diesem Beispiel sind die Messwerte zu hoch). |
Dieser Bias kann proportional zur Konzentration des Analyten sein: man spricht dann von einem proportionalen systematischen Fehler (z.B.
bedingt durch Verdunstung, fehlerhafte Thermostatisierung). Der Bias kann aber auch einen konstanten, d.h. von der Konzentration des Analyten unabhängigen Wert annehmen, was als konstanter systematischer Fehler bezeichnet wird.
Grobe Fehler
Diese Fehler sind häufig menschlichen Ursprungs (Verwechslung von Proben, Fehler beim Abschreiben von Resultaten, keine Berücksichtigung der Probenverdünnung bei der
Resultatberechnung usw.).
Grobe Fehler, die nicht selten eine einzelne
Probe betreffen, können demnach durch die analytische interne Qualitätskontrolle praktisch nicht erkannt werden. Sie sind nur zu vermeiden durch sorgfältiges, gut geplantes Arbeiten und, falls möglich, durch eine Plausibilitätskontrolle.
Hingegen kann eine fehlerhafte
Vorbehandlung von Proben (inkl. Verwechslung) und zum Teil auch
postanalytische Fehler bei Ringversuchen zu einem auffälligen Ergebnis
führen.
| Präzision und
Richtigkeit |
|
Aus dem zufälligen und dem
systematischen Fehler lassen sich zwei wichtige Begriffe in der Analytik, nämlich Präzision und Richtigkeit, definieren.
Präzision
Die Präzision (Unpräzision) einer Analyse (Methode) ist definiert als Übereinstimmung zwischen den Messwerten oder Streuung wiederholter Messungen, die in der gleichen Probe in einer Serie oder im Verlauf mehrerer Serien während des Tages bzw. an verschiedenen Tagen (zwischen den Serien) durchgeführt wurden.
Die Kenntnis der Präzision zwischen den Serien ermöglicht es dem Arzt zu berechnen, ob der Unterschied zwischen zwei Bestimmungen einen wirklichen Unterschied, d.h. bedingt durch das Krankheitsgeschehen bedeutet, oder nur auf die methodenbedingte Streuung zurückzuführen ist.
Richtigkeit
Die Richtigkeit (Unrichtigkeit) einer Analyse (Methode) gibt den Unterschied zwischen dem gemessenen Wert und dem „wahren“ Wert an. Die Kenntnis der Abweichung ist wichtig für die Beurteilung eines Patientenresultates in Bezug auf publizierte Werte oder bei Bestimmungen, für die absolute Grenzwerte angegeben werden (z.B. Bestimmung von Cholesterin, Glukosetoleranztest).
 |
 |
| richtig
und präzis |
unrichtig,
aber präzis |
|
 |
|
unrichtig
und unpräzis |
Abb. 1: Graphische Darstellung von
Präzision und Richtigkeit. Der Sollwert befindet sich im Zentrum der
"Zielscheibe".
|