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Idealer und nicht-idealer Test 
 
 
Anamnese und Befund können bereits zu einer Diagnose führen. Nicht selten liegt jedoch nach dem Befragen und der Untersuchung eines Patienten (Anamnese und Befund) eine Differentialdiagnose vor, so dass noch weitere Untersuchungen, wie zum Beispiel Labortests, notwendig werden.

Damit eine geeignete Untersuchung, wie eben beispielsweise ein Labortest, angeordnet werden kann, muss die Wertigkeit dieses Tests bezüglich der vermuteten Krankheit bekannt sein. Es geht also um die Wahrscheinlichkeit (P) ein positives (=pathologisches) Resultat (T) zu erhalten, falls die betreffende Krankheit (D) tatsächlich vorliegt: 

P (T|D)

Bei Vorliegen der Erkrankung wird ein pathologisches Resultat als richtig positiv (engl.: true positive, TP), ein Resultat im Referenzbereich Gesunder als falsch negativ (false negative, FN) gewertet. Tritt bei Gesunden ein pathologisches Resultat auf, so wird es als falsch positiv (false positive, FP) bezeichnet, ein normales als richtig negativ (true negative, TN) eingestuft.

Diese Situation wird tabellarisch folgendermassen dargestellt:

Test
Test negativ (="normal")  Test positiv (=pathologisch)
Patient  gesund TN FP
krank FN TP

wobei: 

TN = richtig (true) negativ  FN = falsch (false) negativ
TP = richtig (true) positiv    FP = falsch (false) positiv

Als einschränkend gilt bei dieser Betrachtungsweise, dass die Höhe des Resultates nicht berücksichtigt wird. Ein quantitatives Laborresultat wird damit zur qualitativen Ja/Nein-Antwort herabgesetzt.

 
Der ideale Test  

Ein idealer (perfekter) Test trennt die beiden Gruppen (“gesund” und ”krank”) vollständig:

  

Abb. 1: Der ideale Test trennt Gesunde und Kranke mit Sicherheit.

 
Der nicht-ideale Test  

Bei einem nicht-idealen Test kommt es im Grenzbereich zur Überschneidung der beiden Gruppen: 

  

Abb. 2: Der nicht-ideale Test kann in einer Überlappungszone nicht zwischen Gesunden und Kranken unterscheiden. 

Die verschiedenen Proportionen sind natürlich von der Wahl des Diskriminanzpunktes (Referenzwert) abhängig, der nicht-ideale Test ist jedoch, wie auch immer der Diskriminanzwert gewählt wird, nie in der Lage alle Individuen richtig zu klassieren.

  

Abb. 3: Bei der Wahl des Referenzbereiches R1 werden durch ein "normales" Resultat alle Kranken sicher ausgeschlossen. Allerdings werden vielen gesunden ein pathologisches Resultat unterschoben. Bei Wahl des Referenzbereiches R3 werden alle Gesunden sicher erfasst, aber gleichzeitig werden viele Kranke verpasst. R2 ist ein Kompromiss mit Fehlern auf beide Seiten.

Die Wahl des jeweiligen Referenzbereiches ist hängt auch von der Fragestellung, der abzuklärenden Krankheit und nicht zuletzt von den Therapiemöglichkeiten ab.

  • Bei einer schwerwiegenden Erkrankung, die jedoch bei früher Erfassung eine gute Heilungschance aufweist, wird man eine relativ hohe Anzahl falsch positiver Befunde in Kauf nehmen, wenn dafür kein Kranker verpasst wird.
     
  • Bei einer Erkrankung mit schlechten Behandlungsmöglichkeiten, wird man eher darauf achten, nicht zuletzt aus Kostengründen, möglichst wenig falsch positive Resultate zu erhalten. Es geht eher darum, Patienten mit negativen Resultaten mit grosser Sicherheit auszuschliessen.

Mit dieser Aufteilung lassen sich die beiden für die Testwahl entscheidenden Begriffe ableiten, nämlich die Sensitivität und die Spezifität.

 


12.12.2001 / hpk